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Keratokonus und Schwangerschaft

In der Schwangerschaft finden sehr große hormonelle Umstellungen statt. Die zwei wichtigsten Hormone sind hierbei das Östrogen und das Schilddrüsenhormon.

Östrogen

Das weibliche Geschlechshormon Östrogen wird in der Schwangerschaft in viel höheren Konzentrationen produziert und führt auch in der Hornhaut zu Veränderungen. Vor allem im siebten und achten Schwangerschaftsmonat erhöht sich die Konzentration dieses Hormons im Blut um das 40’000-fache.
Östrogen bereitet den weiblichen Körper auf die Geburt vor, indem es das Gewebe weicher werden lässt. Dies ist für den Geburtsvorgang natürlich sehr wichtig. Jedoch wird auch die Hornhaut hierbei weicher und dies kann einen vorbestehenden Keratokonus während der Schwangerschaft massiv verstärken.
Dieses Forschungsgebiet ist neu und es finden sich noch nicht sehr viele wissenschaftliche Publikationen zum Thema. Einige der Schlüsselpublikationen stammen aus unserer Forschungsgruppe.

Östrogen verändert den Keratokonus während der Schwangerschaft

Eine der ersten wissenschaftlichen Beschreibungen überhaupt wurde von unserer Gruppe im Jahr 2013 in der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Cataract and Refractive Surgery publiziert. Dabei sahen wir bei einer Frau mit einem Keratokonus in ihrer ersten Schwangerschaft an einem Auge vorübergehende und am anderen Auge bleibende Veränderungen, die sich bei der zweiten Schwangerschaft sogar noch verstärkten. Diese Veränderungen können sich Monate nach der Geburt wieder zurückbilden oder definitiv bleiben.

Schilddrüsenhormon

Auch das Schilddrüsenhormon scheint eine wichtige Rolle bei der Mechanik der Hornhaut zu spielen. Es ist seit Jahren bekannt, dass das Risiko für eine Hornhauterkrankung steigt, wenn die Schilddrüse zum Beispiel wegen einer Erkrankung, zum Beispiel einer Hashimoto-Thyroiditis, entfernt werden muss. Aber erst in den letzten Jahren vermehren sich die Hinweise, dass das Schilddrüsenhormon ganz eindeutig die Biomechanik der Hornhaut beeinflusst.

Das Schilddrüsenhormon ist natürlicherweise im Laufe der Schwangerschaft reduziert. Professor Hafezi hat an der Universität Genf zwischen 2012 und 2014 eine grossangelegte Studie durchgeführt. In der Studie wurden schwangere Frauen während der gesamten Schwangerschaft und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt regelmäßig untersucht:  Es wurden die Hormonkonzentrationen von Östrogen und Schilddrüsenhormon untersucht und mit Messungen der Hornhaut während dieser Zeit verglichen. Die Ergebnisse sind Ende 2017 im American Journal of Ophthalmology erschienen und zeigten eindeutig einen klaren Zusammenhang zwischen einer Unterfunktion der Schilddrüse und der Hornhaut.

Hormone und Hornhaut

 

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