Die Hornhauttopographie hat eine bemerkenswerte technologische Entwicklung durchlaufen, doch ihr klinischer Wert hängt immer noch stark davon ab, wie die Bilder interpretiert werden. In einem kürzlich veröffentlichten Überblick in ophta (3/2025), Torres-Netto, Hillen und die Hafezi die grundlegenden Prinzipien der Hornhauttopographie und -tomographie wiederholen und dabei betonen, dass eine genaue Diagnose nicht mit fortgeschrittenen Indizes, sondern mit der korrekten Interpretation der grundlegenden Karten beginnt

Moderne Bildgebungsgeräte - von Scheimpflug-basierten Systemen bis hin zum OCT des vorderen Segments - liefern zunehmend detaillierte Informationen über die Form und Dicke der Hornhaut. Die Autoren betonen jedoch, dass diese Modalitäten unterschiedlich mit dem Hornhautgewebe interagieren. Blaulichtsysteme reagieren empfindlicher auf Hornhauttransparenz und -streuung, während die Nahinfrarot-OCT weniger durch optische Trübungen beeinträchtigt wird. Das Verständnis dieser Unterschiede ist wichtig, um Fehlinterpretationen beim Vergleich von Daten verschiedener Plattformen zu vermeiden.

Einer der wichtigsten, aber häufig übersehenen Faktoren ist die Verwendung von Farbskalen. Dieselbe Hornhaut kann je nach gewähltem Farbstufenintervall sehr unterschiedlich erscheinen. Grosse Stufen können subtile fokale Versteilerungen verdecken, während kleinere Stufen die Empfindlichkeit für frühe ektatische Veränderungen erhöhen. Die Autoren empfehlen feste Farbskalen - anstelle von relativen Skalen -, um einen zuverlässigen Längsschnittvergleich zu gewährleisten und das Risiko einer falschen Normalisierung im Laufe der Zeit zu verringern.

Der Artikel klärt auch die oft verwirrende Beziehung zwischen Krümmung und Elevation. Obwohl sie dieselbe Hornhautoberfläche beschreiben, hängen Elevationskarten von der gewählten Referenzform ab, z. B. von einer Kugel oder einem Ellipsoid. Änderungen des Bezugsdurchmessers oder der Bezugsgeometrie können das Erscheinungsbild der Karte erheblich verändern, was die Bedeutung der Konsistenz bei der Überwachung von Patienten im Laufe der Zeit unterstreicht.

Verschiedene Krümmungskarten dienen unterschiedlichen klinischen Zwecken. Axiale (sagittale) Karten bieten einen geglätteten Überblick, der für das Refraktionsscreening nützlich ist, während tangentiale Karten empfindlicher für lokale Unregelmässigkeiten und frühe ektatische Veränderungen sind. Die Gausssche Krümmung wird zwar seltener verwendet, bietet aber zusätzliche Einblicke in stark unregelmäßige Hornhäute, da sie die intrinsische Oberflächenkrümmung unabhängig von der Orientierung beschreibt.

Schliesslich heben die Autoren die Bedeutung der Kartierung der Epitheldicke hervor. Da das Epithel die zugrundeliegenden stromalen Unregelmässigkeiten teilweise verdecken kann, können epitheliale Kompensationsmuster einen frühen Keratokonus aufzeigen, bevor die konventionelle Topographie deutlich abnormal wird.

Die übergreifende Botschaft ist klar: Während sich automatische Indizes und Werkzeuge der künstlichen Intelligenz weiterentwickeln, bleibt die subjektive Analyse durch Experten unverzichtbar. Die Beherrschung von Farbskalen, Referenzflächen und grundlegenden Krümmungsprinzipien ist für eine genaue Diagnose, ein sichereres refraktives Screening und eine fundierte klinische Entscheidungsfindung in der täglichen Praxis unerlässlich.