Innovation in der Augenheilkunde findet zunehmend an der Schnittstelle von klinischer Wissenschaft, Technologieentwicklung und Gestaltung von Gesundheitssystemen statt. In ihrem kürzlich erschienenen Artikel “Scanning the Eye Care Horizon”, der “Sitting Down With”-Interview in Der Ophthalmologe, Nikki Kristoffersen-Hafezi, Mitbegründer und CEO von EMAGine AG  und ELZA Institut AG, überlegt, wie diese Bereiche aufeinander abgestimmt werden können, um den Zugang zu einer evidenzbasierten Augenheilkunde zu verbessern.

Ein zentrales Thema der Diskussion ist der Aufbau von Kapazitäten. Neben dem operativen Wachstum der klinischen Standorte von ELZA in Zürich beschreibt Kristoffersen-Hafezi ihre umfassendere Rolle beim Aufbau und der Ausbildung multidisziplinärer Teams in den Bereichen klinische Versorgung, Medizintechnik und Beratung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf langfristiger Nachhaltigkeit: Entwicklung von lokalem Fachwissen, Stärkung der operativen Führung und Sicherstellung, dass moderne ophthalmologische Dienstleistungen unabhängig aufrechterhalten werden können, statt von externer Aufsicht abhängig zu sein.

Die Technologieentwicklung wird am Beispiel dem Corneal Crosslinking (CXL) behandelt. Seit 2012 ist Kristoffersen-Hafezi eng an der Umsetzung von CXL-Konzepten in einsatzfähige klinische Plattformen beteiligt, wobei sie einen “SMART”-Ansatz verfolgt - klein, mobil, erschwinglich und zuverlässig. Dieser Ansatz bildet die Grundlage für die Entwicklung des EMAGine C-eye-Gerätes und, in jüngerer Zeit, eines tragbaren Placido-basierten Hornhaut-Screening-Tools, das die Hardware eines Smartphones nutzt. Frühe klinische Tests haben gezeigt, dass die Bildgebungsleistung mit der etablierter Diagnoseplattformen vergleichbar ist, was ihre potenzielle Rolle in dezentralen Screening-Umgebungen unterstützt.

Die klinische Relevanz ist klar. Keratokonus ist nach wie vor eine der Hauptursachen für vermeidbare Sehbehinderungen bei Kindern und jungen Erwachsenen, insbesondere dort, wo der Zugang zur diagnostischen Infrastruktur begrenzt ist. Eine frühere Erkennung ermöglicht ein rechtzeitiges Eingreifen und unterstützt die Erstellung strukturierter Datensätze, die sich für eine algorithmengestützte Analyse eignen und dazu beitragen, die Variabilität in der Interpretation zwischen den Beobachtern zu verringern.

Das Interview skizziert auch einen pragmatischen Rahmen für Kliniker, die neue Technologien in Betracht ziehen. Zu den wichtigsten Überlegungen gehören das Vorhandensein von Peer-Review-Evidenz, das Verständnis der zugrundeliegenden Technologie, die Verfügbarkeit von Schulungs- und Serviceleistungen sowie eine realistische Einschätzung des Patientenbedarfs und der Kosten. Aus der Entwicklungsperspektive unterstreicht Kristoffersen-Hafezi die Bedeutung einer Strategie zum Schutz des geistigen Eigentums, Analysen zur Betriebsfreiheit und eine frühzeitige Planung der Skalierbarkeit.

Mit Blick auf die Zukunft gehen ihre Prioritäten über einzelne Geräte hinaus und umfassen umfassendere Ziele: die Stärkung der ophthalmologischen Ausbildung, die Verbindung von aufstrebenden Klinikern mit internationalem Fachwissen und die Erweiterung des Zugangs zur grundlegenden Sehkraftversorgung durch nachhaltige klinische Modelle. Gemeinsam bilden diese Themen den Rahmen für ophthalmologische Innovationen, die nicht als isolierte Fortschritte betrachtet werden, sondern als koordinierte Fortschritte, die auf klinischer Relevanz und langfristiger Wirkung beruhen.