Jahrzehntelang bildete die Keratoplastik das Endstadium der Keratokonusbehandlung. Im 10. Kongress der Schweizerischen Akademie für Ophthalmologie (SAoO), die im KKL Luzern stattfand, wurde diese Annahme kritisch - und mit einigem Unbehagen - hinterfragt. Die Frage, die gestellt wurde, war bewusst direkt: Wird die Keratoplastik bei Keratokonus im Jahr 2040 noch nötig sein?

Diese Frage stand im Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Vortrags des Hornhaut-, Katarakt- und refraktiven Chirurgen ELZA, Emilio Torres-Netto, MD, PhD, FEBO, FWCRS. Anstatt für das Verschwinden der Transplantation zu plädieren, ging der Vortrag darauf ein, dass ihre Rolle bereits begonnen hat, sich zu verkleinern und zu spezialisieren, da frühere, weniger invasive Eingriffe ausgereift sind. Wird die Keratoplastik bei Keratokonus auch im Jahr 2040 noch benötigt werden? In der Vergangenheit war die perforierende und später die lamelläre Keratoplastik für viele Patienten mit fortschreitender Ektasie unumgänglich.

Dr. Emilio Torres-Netto auf der Bühne des KKL Luzern während der SAoO 2026.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der klinische Verlauf des Keratokonus jedoch verändert. Eine frühere Diagnose durch fortschrittliche Tomographie, die weit verbreitete Einführung von CXL und der zunehmende Einsatz von Strategien zur Hornhautregulierung haben dazu geführt, dass die Intervention in viel frühere Krankheitsstadien verlegt wurde. Infolgedessen erreichen heute weniger Patienten den Grad des Hornhautversagens, der früher eine Transplantation unumgänglich machte.

In seiner SAoO-Präsentation untersuchte Dr. Torres-Netto diese Entwicklungen im Hinblick auf die langfristigen klinischen Ergebnisse. Er betonte, dass die Keratoplastik zwar seltener geworden ist, aber nicht überflüssig geworden ist. Fortgeschrittene Narbenbildung, spätes Auftreten, biomechanischer Kollaps und Kontaktlinsenunverträglichkeit definieren weiterhin eine Untergruppe von Patienten, für die eine Transplantation nach wie vor angemessen ist. Was sich geändert hat, ist der Kontext: Die Keratoplastik ist zunehmend ein selektiver Eingriff und nicht mehr der Standardendpunkt.

Der Vortrag ging auch darauf ein, wie lamellare Techniken und gewebeschonende Ansätze die chirurgischen Indikationen und Ergebnisse verfeinert haben, wenn eine Transplantation erforderlich ist. Parallel dazu hat das wachsende Repertoire an nicht-transplantativen Eingriffen eine nuanciertere Frage aufgeworfen - nicht, ob die Keratoplastik verschwinden wird, sondern wie selten sie benötigt wird, wenn das Fortschreiten der Krankheit früh genug erkannt und stabilisiert wird.

 

Im Rahmen des SAoO-Kongresses, der in diesem Jahr seine zehnte Auflage mit einem klinisch ausgerichteten und zukunftsorientierten Programm feierte, diente die Präsentation als Erinnerung daran, dass der Fortschritt in der Keratokonusbehandlung schrittweise, evidenzbasiert und kumulativ erfolgt ist. Im Jahr 2040 wird die Keratoplastik wahrscheinlich weiterhin Teil der Therapielandschaft sein - allerdings für weniger Patienten und aus klareren Gründen als je zuvor.