Wenn wir am KCXL-Expertentreffen 2025, die am 12. Dezember 2025 in Mailand stattfand, hat der Katarakt-, Refraktions- und Hornhautchirurg von ELZA Dr. Emilio Torres-Netto, MD, PhD, FEBO, FWCRS, In seinem Vortrag analysierte er detailliert die Entwicklung von epi-on CXL, wobei er sich darauf konzentrierte, warum frühe Protokolle gescheitert sind und wie moderne Ansätze diese Einschränkungen durch physiologische Optimierung beseitigt haben.

Dr. Torres-Netto ging zunächst auf die historische Rolle der Epi-Off-CXL ein, die nach wie vor eine äusserst wirksame Methode zur Stabilisierung des fortschreitenden Keratokonus ist. Die Entfernung des Epithels ist jedoch mit bekannten Nachteilen verbunden, darunter postoperative Schmerzen, verzögerte Reepithelisierung, Trübungen und - selten - steriles Schmelzen oder Infektionen. Diese Einschränkungen waren der ursprüngliche Grund für die Entwicklung von Epi-on-Verfahren.

Frühe Epi-on-CXL-Protokolle führten jedoch zu unbefriedigenden klinischen Ergebnissen. Die einfache Erhaltung des Epithels bei gleichzeitiger Anwendung konventioneller CXL-Parameter führte zu einem kontinuierlichen Fortschreiten der Erkrankung, wobei in frühen Studien ein Anstieg von Kmax und eine weitere Ausdünnung der Hornhaut berichtet wurde. Dr. Torres-Netto betonte, dass diese Misserfolge nicht überraschend seien, da das intakte Epithel die für eine wirksame CXL erforderliche photochemische Umgebung grundlegend verändere.

Wenn das Epithel vorhanden ist, wird die UV-Transmission abgeschwächt, die Riboflavin-Penetration verringert und die Sauerstoffverfügbarkeit eingeschränkt, was durch den Sauerstoffverbrauch des Epithels noch verstärkt wird. Versuche, diese Probleme isoliert anzugehen - z. B. durch Änderung der Riboflavin-Formulierungen, Erhöhung der Konzentration oder Hinzufügen von Penetrationsverstärkern - erwiesen sich als unzureichend. In mehreren Studien traten trotz “Epi-on”-Behandlung immer noch Epitheldefekte auf, und die biomechanische Stabilisierung blieb unzureichend.

Ein zentrales Thema des Vortrags war, dass eine effektive Epi-on-CXL die gleichzeitige Optimierung aller kritischen Reaktionsparameter erfordert. Dr. Torres-Netto gab einen Überblick über experimentelle und klinische Daten, die zeigen, dass die biomechanische Wirkung von Epi-Off-CXL nicht durch die Berücksichtigung eines einzigen limitierenden Faktors erreicht werden kann. Proof-of-Concept-Arbeiten, bei denen eine sehr niedrige Bestrahlungsstärke und eine längere Bestrahlungsdauer verwendet wurden, zeigten eine teilweise Versteifung, aber die Ergebnisse blieben minderwertig, wenn das Epithel dick war.

Spätere Fortschritte markierten einen Wendepunkt. Moderne Epi-on-Protokolle kombinieren Strategien zur Verbesserung der stromalen Riboflavin-Verfügbarkeit, zur Kompensation der epithelialen UV-Abschwächung und zur Berücksichtigung der Sauerstoffabhängigkeit der CXL-Reaktion. Die vorgestellten klinischen Daten zeigten eine konsistente Demarkationslinienbildung bei ca. 220 µm mit einer stabilen Kmax und Hornhautdicke bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr.

Dr. Torres-Netto betonte, dass diese modernen Epi-on-CXL-Ansätze vor allem für Patienten mit dokumentierter Progression und guter Ausgangssehschärfe relevant sind, bei denen eine Minimierung von Schmerzen, Trübungen und epithelialen Komplikationen wünschenswert ist. Längerfristige Fallbeispiele zeigten eine nachhaltige Stabilisierung über mehrere Jahre, auch bei fortgeschrittenem Keratokonus, wenn auch mit weniger Abflachung als typischerweise nach epi-off CXL beobachtet.

Er kam zu dem Schluss, dass die frühen Misserfolge von epi-on CXL eher auf eine unvollständige physiologische Kompensation als auf fehlerhafte Konzepte zurückzuführen sind. Mit den Protokollen der aktuellen Generation, die alle einschränkenden Faktoren berücksichtigen, ist epi-on CXL zu einer klinisch sinnvollen Option für sorgfältig ausgewählte Patienten geworden.

Die vollständige Präsentation des KCXL-Expertentreffens 2025 können Sie unten einsehen.

KCXL-Expertentreffen 2025 Gruppenfoto