Dr. Dr. Emilio de Almeida Torres-Netto, MD, PhD, FEBO, FWCRS, Hornhaut- und Kataraktchirurg am ELZA-Institut, hat kürzlich einen eingeladenen Artikel in der Zeitschrift The Ophthalmologist untersucht, wie sich das Corneal-Cross-Linking (CXL) von einem einzigen standardisierten Protokoll zu einer personalisierten therapeutischen Plattform entwickelt hat. Unter Personalisierung des Corneal Cross-Linking (Januar 2026) untersucht Dr. Torres-Netto, wie massgeschneiderte CXL-Strategien in realen klinischen Szenarien angewendet werden können, von Patienten mit guter Sehkraft bis hin zur Planung von Kataraktoperationen und fortgeschrittenen Hornhautunregelmässigkeiten.
Personalisierung des Corneal Cross-Linking: Von “Dresden” zur patientenindividuellen Strategie
CXL begann als ein einziger, standardisierter Eingriff: das “Dresdner Protokoll”. Heute wird sie besser als eine Behandlungsplattform verstanden, die an das Krankheitsstadium, den Phänotyp der Hornhaut, das Epithelverhalten und den refraktiven Kontext angepasst werden kann. Der Artikel von Torres-Netto vom Januar 2026 beschreibt diesen Wandel anhand von drei praktischen klinischen Szenarien: (1) Patienten mit guter Sehkraft, (2) Keratokonus mit Katarakt und (3) stark irreguläre Hornhäute, bei denen sowohl die Hornhautstabilität als auch die optische Qualität für die Planung relevant sind.
Szenario 1: Gute Sicht - Vorrang für Epithelintegrität und Risikominderung
In der Vergangenheit hat CXL mit Epithel (epi-on) im Vergleich zu CXL ohne Epithel (epi-off) unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt, da das Epithel die stromale Riboflavinverfügbarkeit und die Sauerstoffdiffusion einschränkt - beides zentrale Faktoren für die photochemische Vernetzungsreaktion. Frühere transepitheliale Ansätze waren ausserdem häufig durch Strategien mit fester Fluenz eingeschränkt, die die reduzierte stromale Sauerstoff- und Riboflavinverfügbarkeit nicht konsequent kompensieren konnten.
Der Artikel beschreibt, wie moderne Epi-on-Konzepte versuchen, diese Einschränkungen durch das Protokolldesign (einschliesslich optimierter Riboflavin-Formulierungen, Sauerstoffdynamik und fluenzangepasster UV-Zufuhr) zu überwinden, mit dem Ziel, die Wirksamkeitslücke zu verringern und gleichzeitig die klinischen Vorteile der Epithelerhaltung beizubehalten. Bei entsprechend ausgewählten Patienten kann die Erhaltung des Epithels die postoperativen Schmerzen verringern und die mit Epitheldefekten verbundenen Risiken minimieren, was einen Ansatz mit geringerer Unterbrechung für Patienten mit guter Ausgangssicht oder langsamerer Progression unterstützt.
Wo Epi-on-Strategien besonders relevant sein können (wie in dem Artikel zusammengefasst):
- Patienten mit brüchigem oder langsam heilendem Epithel
- Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko
- Personen mit Erkrankungen der Augenoberfläche oder eingeschränkter postoperativer Compliance
- Patienten mit guter Sehkraft und geringer Progressionsrate
Szenario 2: Keratokonus mit Katarakt - Optimierung der Hornhaut zur Verbesserung der Biometrie
Patienten mit Katarakt und Hornhautektasie stellen eine Herausforderung für die refraktive Planung dar, da ein irregulärer Astigmatismus die keratometrische Zuverlässigkeit beeinträchtigen und die Vorhersagegenauigkeit der IOL-Berechnungen verringern kann. Der praktische Punkt ist, dass eine Hornhautoptimierung vor der Kataraktoperation die biometrische Qualität und die refraktive Vorhersagbarkeit verbessern kann, wenn Hornhautunregelmäßigkeiten - insbesondere innerhalb der zentralen Hornhaut und der Sehachse - die Messungen erheblich beeinflussen.
Der Artikel erörtert eine Reihe möglicher Hornhautoptimierungsstrategien, die bei ektatischen Augen zum Einsatz kommen, darunter Ansätze zur Umformung (wie intrakorneale Ringstrategien, einschliesslich gewebebasierter Optionen) und massgeschneiderte CXL-Konzepte, die auf fokale biomechanische Schwächen abzielen und die Regularisierung der Hornhaut fördern. Diese abgestufte Logik wird als Möglichkeit vorgestellt, postoperative refraktive “Überraschungen” zu reduzieren, indem die für die IOL-Berechnung verwendeten Daten verbessert werden.
Wenn Hornhautunregelmässigkeiten nur minimale Auswirkungen auf die IOL-Berechnungen haben - oder wenn ein stufenweises Vorgehen nicht praktikabel ist -, kann die Kataraktoperation vernünftigerweise Vorrang haben und die Hornhautoptimierung bei Bedarf später in Betracht gezogen werden. In solchen Fällen ist eine sorgfältige Beurteilung der Kontaktlinsenanamnese wichtig, um verzerrte präoperative Messungen zu vermeiden.
Szenario 3: Stark irreguläre Hornhäute - Kombination aus individueller CXL und Excimer-Enhancement
Für Augen mit ausgeprägter Asymmetrie oder Unregelmässigkeit beschreibt der Artikel einen stufenweisen oder kombinierten Ansatz, der sowohl die Stabilität als auch die optische Qualität verbessern soll. Maßgeschneiderte CXL-Konzepte (einschliesslich PTK-gestützter massgeschneiderter Epi-on-Strategien) werden als Methoden zur selektiven Verstärkung biomechanischer Schwächen vorgestellt, um ein regelmässigeres Hornhautprofil zu fördern, ohne Stromagewebe zu entfernen.
Sobald die Stabilität der Hornhaut hergestellt ist, kann in sorgfältig ausgewählten Fällen mit ausreichender Dicke und biomechanischer Reserve eine topographie- oder wellenfrontgeführte Excimer-Laser-Enhancement-Behandlung in Betracht gezogen werden. Der Artikel hebt ein zusätzliches Planungskonzept hervor: Behandlungsstrategien, die sowohl anteriore als auch posteriore Hornhautoptiken einbeziehen, können die Menge an Gewebeabtragung reduzieren, die erforderlich ist, um eine sinnvolle optische Verbesserung zu erreichen - eine besonders relevante Überlegung bei ektatischen Hornhäuten, bei denen der Erhalt des Gewebes von grösster Bedeutung ist.
Von der Standardisierung zur Personalisierung: CXL neu überdenken
CXL sollte nicht länger als ein Einheitsverfahren betrachtet werden. Das im Artikel beschriebene Paradigma der Personalisierung konzentriert sich auf die Auswahl des geeigneten CXL-Ansatzes, des Zeitpunkts und der Hilfsmittel entsprechend dem individuellen klinischen Kontext, einschliesslich:
- Progressionsrate und Schwere der Erkrankung
- Epitheliales Verhalten
- Alter des Patienten und visuelle Erwartungen
- Bedarf an refraktiver Planung (einschliesslich Kataraktchirurgie)
- Hornhautregelmässigkeit und optische Anforderungen
Jenseits der Stabilisierung
In ausgewählten Fällen kann CXL zur optischen Rehabilitation beitragen - vor allem, wenn es als Teil einer abgestuften Strategie eingesetzt wird, die auch individuelles Crosslinking, gewebebasierte Ringansätze oder Excimer-Laser-Verfeinerung umfassen kann. Ein wichtiger Vorteil ist das gewebeschonende Profil von CXL: Da bei CXL kein Gewebe entfernt und kein dauerhaftes Implantat eingesetzt wird, kann es in aufeinanderfolgende Strategien integriert werden, die sowohl die Biomechanik als auch die Sehqualität verbessern.
Von ultradünnen Hornhäuten (wo individualisierte Ansätze wie sub400 in der Quelle erwähnt werden) bis hin zu fortgeschrittenen Unregelmässigkeiten, bei denen die visuelle Rehabilitation mit kombinierten Strategien verfolgt wird, ist die allgemeine Botschaft konsistent: Die moderne CXL ist zunehmend eine personalisierte therapeutische Plattform, nicht ein einzelnes Protokoll.
Lesen Sie den vollständigen Artikel: Personalisierung des Corneal Cross-Linking (Der Augenarzt, Januar 2026)