Die europäische Ophthalmologie spielt seit langem eine prägende Rolle bei der Umsetzung wissenschaftlicher Innovationen in die klinische Praxis. In einem kürzlich veröffentlichten Interview in ophta (2/2025), Prof. Farhad Hafezi MD. PhD, FARVO reflektiert diese Tradition im Zusammenhang mit seiner Rolle als Vorsitzender des Forschungsausschusses der Europäischen Gesellschaft für Katarakt- und Refraktionschirurgie (ESCRS). Die Diskussion bietet einen Einblick, wie strukturierte Forschungsinitiativen zu klinisch relevanten Standards in der Katarakt-, refraktiven und Hornhautchirurgie beitragen
Der ESCRS-Forschungsausschuss befindet sich an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forschung und alltäglicher augenmedizinischer Versorgung. Sein Mandat geht über die Finanzierung einzelner Projekte hinaus und konzentriert sich stattdessen auf eine koordinierte, zentrenübergreifende Zusammenarbeit, um unbeantwortete klinische Fragen zu klären. Um dies zu unterstützen, hat der Ausschuss mehrere thematische Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit Hornhaut, Keratokonus, Kataraktchirurgie, okulärer Bildgebung, Epidemiologie, künstlicher Intelligenz und translationaler Forschung befassen. Diese Struktur soll sicherstellen, dass neue Technologien und Datensätze in einem klinisch sinnvollen Rahmen und nicht isoliert bewertet werden.
Ein wichtiges Beispiel ist die kontinuierliche Entwicklung groß angelegter Register wie EUREQUO, in denen die Ergebnisse von Millionen von Katarakt- und refraktiven Eingriffen in ganz Europa gesammelt werden. Diese Daten ermöglichen ein Benchmarking der Ergebnisse, die Identifizierung von Abweichungen in der Praxis und eine fundierte Verfeinerung der chirurgischen Techniken. Parallel dazu zielt die von der ESCRS geleitete Entwicklung von Leitlinien darauf ab, die gesammelten Erkenntnisse in praktische Empfehlungen umzusetzen, die an regionale und technologische Unterschiede angepasst werden können.
Die digitale Transformation ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt. Die zunehmende Integration von Big-Data-Analysen und künstlicher Intelligenz in die ophthalmologische Forschung hat das Potenzial, die diagnostische Präzision, Risikostratifizierung und Personalisierung der Behandlung zu verbessern. Innerhalb der ESCRS unterstützen spezielle Forschungsinitiativen nun Projekte, die diese Instrumente kritisch bewerten, wobei der Schwerpunkt auf Validierung, Transparenz und klinischer Anwendbarkeit und nicht nur auf Neuheit liegt.
Aus Sicht des ELZA steht dieser forschungsorientierte Ansatz in engem Einklang mit dem Schwerpunkt des Instituts auf evidenzbasierter Hornhautversorgung und strukturierter klinischer Innovation. Das Engagement in internationalen Forschungsnetzwerken und die Bemühungen zur Konsensbildung tragen dazu bei, dass sich die Entwicklung von Techniken - insbesondere bei der Behandlung von Keratokonus und der Hornhautvernetzung - an soliden Daten und nicht an Anekdoten orientiert.
In der Praxis zeigen Initiativen wie die vom ESCRS-Forschungsausschuss beschriebenen, wie kollaborative Forschungsinfrastrukturen die Standards der Versorgung beeinflussen können. Für Kliniker und informierte Patienten gleichermaßen bieten sie die Gewissheit, dass Innovationen in der Augenheilkunde zunehmend in systematischen Bewertungen und gemeinsamen klinischen Erfahrungen verankert sind.