Die refraktive Laserchirurgie mit dem Excimer-Laser hat das Gebiet der Sehkorrektur revolutioniert. Während sich viele dieser Verfahren auf kosmetische Ergebnisse konzentrierten und es den Patienten ermöglichten, brillenfrei zu werden, bietet die refraktive Excimer-Laser-Chirurgie auch erhebliche therapeutische Vorteile für Personen mit Hornhautunregelmäßigkeiten. Dieser Artikel befasst sich mit dem Konzept der totalen cornealen Wellenfrontanalyse und ihrer zentralen Rolle bei der Verbesserung der therapeutischen Ergebnisse der refraktiven Excimer-Laser-Chirurgie, insbesondere bei Patienten mit irregulären Hornhäuten.

Historischer Blickwinkel

Traditionell stützte sich unser Ansatz zur cornealen Wellenfrontanalyse auf topografische corneale Wellenfrontdaten, die mit Geräten wie Scheimpflug- und Placido-Systemen gewonnen wurden, die Technologien zur Abbildung der Hornhautoberfläche kombinieren. Darüber hinaus haben wir mit einem pyramidenförmigen Bildsystem, das die Wellenfront des gesamten Auges erfasst, eine Gesamtwellenfrontanalyse durchgeführt. Beide Methoden spielten eine wichtige Rolle bei der Planung refraktiver Operationen (Abbildung 1). Diese Methoden konzentrierten sich jedoch in erster Linie auf die Daten der vorderen Hornhaut oder erfassten das gesamte Auge, was Raum für weitere Verbesserungen ließ.

Vollständige corneale Wellenfrontanalyse

Die Einführung der totalen cornealen Wellenfrontanalyse bedeutet einen erheblichen Fortschritt in unserer Fähigkeit, therapeutische refraktive Eingriffe mit dem Excimer-Laser zu beurteilen und zu planen. Dieser innovative Ansatz, der durch die Integration verschiedener Technologien ermöglicht wird, erlaubt die umfassende Beurteilung der gesamten Hornhaut, einschließlich ihrer Vorder- und Rückflächen. Es kombiniert die Placido-Scheiben-Hornhauttopographie und die hochauflösende OCT-basierte Vorderabschnittstomographie (MS-39), um eine vollständige Analyse der gesamten cornealen Wellenfront zu ermöglichen (Abbildung 1).

Total Corneal Wavefront Analysis System - Eine Illustration des fortschrittlichen Systems zur Analyse der gesamten cornealen Wellenfront, das die Placido-Scheiben-Corneatopographie und die hochauflösende OCT-basierte Tomographie des vorderen Augenabschnitts kombiniert.
Abbildung 1: Total Corneal Wavefront Analysis System

Die Bedeutung der hinteren Hornhautoberfläche

Ein entscheidender Aspekt der gesamten cornealen Wellenfrontanalyse ist die Berücksichtigung der hinteren Hornhautoberfläche. Diese Komponente wird bei der traditionellen Wellenfrontanalyse oft übersehen, aber ihr Einfluss auf die optische Gesamtqualität des Auges kann tiefgreifend sein. Die hintere Hornhautoberfläche trägt in Verbindung mit der Linse und anderen internen Faktoren erheblich zu den Aberrationen höherer Ordnung bei (Abbildung 2). Wenn wir diese hinteren Hornhautaberrationen berücksichtigen, können wir in vielen Fällen präzisere und maßgeschneiderte Ablationsprofile erzielen.

 

Alt Text: Einfluss der hinteren Hornhautoberfläche - Visuelle Darstellung, die zeigt, wie die hintere Hornhautoberfläche in Verbindung mit anderen internen Faktoren zu Aberrationen hoher Ordnung im optischen System des Auges beiträgt
Abbildung 2: Einfluss der hinteren Hornhautoberfläche auf Aberrationen hoher Ordnung.

Klinische Anwendungen

Die totale corneale Wellenfrontanalyse erweist sich als besonders wertvoll bei irregulären Hornhäuten, wie z. B. bei Keratokonus oder postoperativen Unregelmäßigkeiten. Bei diesen Patienten ist das primäre Ziel therapeutisch, um die Sehfunktion zu verbessern und Hornhautirregularitäten zu vermindern. Die Minimierung von Ablationsprofilen hat Priorität, um eine Verschlimmerung von Entzündungen und möglichen Trübungen zu vermeiden. Die totale corneale Wellenfrontanalyse liefert die notwendigen Daten für die Feinabstimmung der Ablation, wobei sowohl Aberrationen hoher als auch niedriger Ordnung vor oder nach der Excimer-Laser-Operation berücksichtigt werden.

Kombinierte Therapien

Die Integration der totalen cornealen Wellenfrontanalyse mit diesem Ansatz bietet eine umfassende therapeutische Lösung für Unregelmäßigkeiten. In manchen Fällen kann jedoch die Excimer-Laser-Chirurgie allein bei irregulären Hornhäuten nicht ausreichen. Das PACE (PTK-Assisted Customized Epi-on)-Crossslinking, bei der die Hornhaut ohne Gewebeentfernung abgeflacht wird, kann eine hervorragende Zusatzbehandlung sein. Die Implantation von Femtosekunden-unterstützten allogenen intrastromalen Hornhautringsegmenten (femto-CAIRS) ist in solchen Fällen ebenfalls eine vielversprechende Option für eine ergänzende Behandlung.

Schlussfolgerung

Die vollständige corneale Wellenfrontanalyse, die durch das MS-39-System ermöglicht wird, stellt einen bedeutenden Fortschritt in der therapeutischen refraktiven Excimer-Laser-Chirurgie dar. Sie ermöglicht eine umfassende Beurteilung und Planung, insbesondere bei irregulären Hornhäuten. Indem wir sowohl die vordere als auch die hintere Hornhautoberfläche berücksichtigen, können wir die Ablationsprofile so anpassen, dass die therapeutischen Ergebnisse optimiert und gleichzeitig die Gewebeentfernung minimiert wird. Dieser Ansatz erweitert unsere Möglichkeiten für die therapeutische Excimer-Chirurgie und unterstreicht die Bedeutung der Verbesserung sowohl der Sehschärfe als auch der Sehqualität bei Patienten mit irregulären Hornhäuten.

 

Den Bericht über den Vortrag des Hornhautchirurgen von ELZA, Dr. Dr. Emilio Torres-Netto,, MD, PhD, FWCRS, hier.