Seit ihrer Einführung als Behandlung des fortschreitenden Keratokonus hat das Corneal Crosslinking (CXL) eine kontinuierliche wissenschaftliche Weiterentwicklung erfahren - eine “Evolution des CXL”. Eine dreiteilige EuroTimes-Reihe die im Januar/Februar 2025 veröffentlicht wurde, zeichnet diese Entwicklung nach, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, wie Fortschritte im Protokolldesign die CXL von einem stabilisierenden Eingriff zu einem Instrument für die biomechanische und visuelle Rehabilitation erweitert haben.
Verfasst von Farhad Hafezi, Mark Hillen und die Emilio Torres-Netto, In der Reihe werden die wissenschaftlichen Grundlagen der verschiedenen Generationen von CXL-Techniken untersucht. Ein zentrales Thema ist die Rolle des Hornhautepithels. Während Epithel-on-Ansätze lange Zeit verfolgt wurden, um den Patientenkomfort zu verbessern, beschreiben die Autoren, wie intaktes Epithel sowohl die Sauerstoffdiffusion als auch die ultraviolette Fluenz einschränkt und damit die Crosslinkingseffizienz im Vergleich zum Standard-Epithel-off-Dresden-Protokoll verringert.
Die Serie geht dann über die konventionellen Dichotomien hinaus und erörtert massgeschneiderte und kombinierte Ansätze. Bei ektatischen Hornhäuten kann eine bescheidene und variable Hornhautabflachung nach einer Standard-CXL immer noch einen bedeutenden biomechanischen Nutzen bringen. Die gezielte Abgabe einer höheren Fluenz an die steilsten oder dünnsten Regionen hat jedoch eine besser vorhersehbare Abflachung des Konus ermöglicht. Die erste Generation der Topographie-gesteuerten CXL hat die Machbarkeit dieses Konzepts gezeigt, während die Ansätze der zweiten Generation - vor allem die PTK-unterstützte massgeschneiderte Epi-on-CXL (PACE) - eine kontrollierte Epithelabtragung einführten, um Riboflavin- und Sauerstoffgradienten über dem Konus zu erzeugen. Erste klinische Daten zeigen eine wesentlich stärkere Abflachung und Verringerung der Hornhautasymmetrie, was eine Verlagerung von der reinen Krankheitsstabilisierung hin zu einer teilweisen visuellen Rehabilitation unterstützt.
Die EuroTimes-Artikel gehen auch auf Kombinationsstrategien ein. Wenn eine Hornhautstabilität erreicht wurde, können nachfolgende Verfahren wie PTK, PRK oder die Implantation eines intrakornealen Ringsegments die Regelmäßigkeit der Hornhaut weiter verbessern. Wichtig ist, dass die in den Serien zitierten Langzeit-Follow-up-Daten keinen Routine-Nutzen der prophylaktischen CXL bei ansonsten normalen Hornhäuten zeigen, die sich einer refraktiven Laseroperation unterziehen, was die Notwendigkeit einer sorgfältigen Patientenauswahl unterstreicht.
Neben der Ektasie wird in der Serie auch die wachsende Rolle von CXL bei infektiöser Keratitis durch PACK-CXL hervorgehoben. Durch die Ausnutzung der erregerinaktivierenden Eigenschaften von photoaktivierten Chromophoren hat CXL in ausgewählten Fällen eine mit der antimikrobiellen Therapie vergleichbare Wirksamkeit gezeigt, die besonders dort von Bedeutung ist, wo der Zugang zu einer längeren medizinischen Behandlung eingeschränkt ist.
Insgesamt veranschaulicht die EuroTimes-Serie, wie CXL zu einer Plattformtechnologie gereift ist. Laufende Optimierungen, die Personalisierung von Protokollen und die Erforschung neuer Konzepte wie Zwei-Photonen-CXL deuten darauf hin, dass sich die klinischen Anwendungen weiter ausweiten werden - vorausgesetzt, die Entwicklung bleibt im physiologischen Verständnis und in der Langzeitevidenz verankert.