Bögen aus Spenderhornhaut einzusetzen, um eine keratokonische Hornhaut abzuflachen, hat sich rasch von einer Nischenidee zu einer etablierten Option entwickelt. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) widmete der Technik an ihrem Kongress 2026 in Berlin deshalb ein eigenes Symposium. Dr. Emilio A. Torres-Netto, MD, PhD, FEBO, FWCRS, stellte ECO-CAIRS an der DOG 2026 am Samstag, 26. September, in der Sitzung „Who CAIRS?“ vor.
Ein Symposium ganz zu CAIRS
Der DOG-Kongress fand vom 24. bis 27. September 2026 im Estrel Berlin statt. Das Symposium „Who CAIRS?“ (Sitzung Sa28, 16:45–18:00 Uhr) war den kornealen allogenen intrastromalen Ringsegmenten gewidmet, kurz CAIRS. Das sind Bögen aus Spenderhornhaut, die in einen Kanal im Stroma der Patientin oder des Patienten eingesetzt werden. Dort flachen sie den Konus des Keratokonus von innen ab.
Die Organisatoren beschrieben CAIRS als biologische Alternative zu synthetischen Ringsegmenten, deren Wirksamkeit und Sicherheit durch zunehmende klinische Evidenz belegt werden. Den Vorsitz führten PD Dr. Loay Daas (Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar) und Dr. Hyeck Soo Son (Universitäts-Augenklinik Heidelberg). Die Sitzung verband klinische Erfahrung, praktische Hinweise und Falldiskussionen in fünf Vorträgen:
- CAIRS-Planung – Dr. Hyeck Soo Son
- „Embrace the Cone“, Optimierung der Ergebnisse – Dr. Dimitrios Kyroudis (Pallas Kliniken, Bern)
- Chirurgische Tipps und Tricks – Dr. Bader Khayat (Augenzentrum Südblick, München)
- ECO (Extracorporeal Optimization) – CAIRS – Dr. Emilio A. Torres-Netto
- CAIRS-Langzeitergebnisse – PD Dr. Loay Daas
Die vollständige Sitzung ist im Online-Programm der DOG 2026 aufgeführt.
Was der extrakorporale Schritt bringt
Der 15-minütige Vortrag von Dr. Torres-Netto, „ECO (Extracorporeal Optimization) – CAIRS“, stellte die ELZA-Modifikation der Technik vor. Bei ECO-CAIRS werden die Spendersegmente vor dem Einsetzen mit Corneal Cross-Linking (CXL) mit ultrahoher Fluenz behandelt. CXL versteift das Kollagen der Hornhaut mit Riboflavin (Vitamin-B2-Tropfen) und UV-A-Licht. Hier wird es jedoch nur auf das Segment angewendet, vollständig ausserhalb des Auges der Patientin oder des Patienten.
Laut dem Abstract des Vortrags macht diese Vorbehandlung die Segmente steifer, dünner und zellfrei. Dadurch gleiten sie leichter durch den stromalen Tunnel und lassen sich chirurgisch besser handhaben.
Die Evidenz hinter ECO-CAIRS an der DOG 2026
Der Vortrag stützte sich auf drei begutachtete Publikationen von ELZA und seinen Kooperationspartnern. Die erste, im Journal of Refractive Surgery, beschrieb die Operationstechnik an vier Augen mit stabilem Keratokonus und einer maximalen Keratometrie zwischen 58,00 und 69,80 D. Die Segmente wurden mit einem Femtosekundenlaser geschnitten und mit 30 oder 60 J/cm² Cross-Linking behandelt. Das Einsetzen verlief bei allen vier Augen ohne Zwischenfälle, und die Segmente blieben durchgehend steif. Ihre Dicke halbierte sich unmittelbar nach dem Cross-Linking ungefähr und nahm innerhalb weniger Tage nach dem Einsetzen wieder zu.
Zwei Laborstudien an Schweinehornhäuten, beide im Journal of Cataract and Refractive Surgery, gingen den Gründen nach. In der ersten versteiften ultrahohe Fluenzen von 30 und 60 J/cm² das Hornhautgewebe stärker als ein konventionelles Protokoll mit 10 J/cm², ohne Unterschied zwischen den beiden höheren Dosen. In der zweiten verloren mit Cross-Linking behandelte Ringsegmente während der Vorbereitung mehr Wasser und nahmen danach weniger Wasser auf als unbehandelte Segmente. Nach Ansicht der Autoren könnte dies die Handhabung während der Operation verbessern.
Es handelt sich um frühe Daten. Die klinische Publikation berichtet über die chirurgische Handhabung an vier Augen, nicht über langfristige Sehergebnisse, und die Laborarbeiten verwendeten tierisches Gewebe. Die Autoren fordern weitere Studien, um das Verhalten von ECO-CAIRS-Segmenten über die Zeit zu bestätigen und den Effekt des Segmentvolumens von dem der Steifigkeit zu trennen.
Aus Berlin, auf LinkedIn
Das ELZA Institut bietet CAIRS und Cross-Linking bei Keratokonus an. Dr. Torres-Netto teilte seine Eindrücke von der Präsentation von ECO-CAIRS an der DOG 2026 auf LinkedIn.
Literatur
- Hafezi F, Aydemir ME, Hillen M, et al. Extracorporeal optimization of corneal allogenic intrastromal ring segments (ECO-CAIRS) using ultra-high-fluence corneal cross-linking. J Refract Surg. 2025;41(11):e1233–e1239. doi.org/10.3928/1081597X-20250917-02
- Aydemir ME, Kollros L, Hillen M, et al. Biomechanical stiffening effect in ultra-high-fluence extracorporeal cross-linked corneal allogenic intrastromal ring segments. J Cataract Refract Surg. 2026. doi.org/10.1097/j.jcrs.0000000000001981
- Kollros L, Aydemir ME, Boote C, et al. Dehydration and rehydration behavior of ultra-high-fluence extracorporeal cross-linked corneal allogenic intrastromal ring segments (ECO-CAIRS). J Cataract Refract Surg. 2026. doi.org/10.1097/j.jcrs.0000000000002015














