Seit über zehn Jahren verspricht das Epi-on-Cross-Linking eine schonendere Behandlung des Keratokonus. Es versteift die Hornhaut, ohne zuvor ihre äussere Schicht, das Epithel, zu entfernen. Der Haken: Frühere Varianten erzielten eine schwächere Versteifung. Im Gespräch mit Healio | Ocular Surgery News am ESCRS 2026 in London sagte Prof. Farhad Hafezi, mit dem ELZA Epi-on-Protokoll, das weder Iontophorese noch zusätzlichen Sauerstoff benötigt, gelte: „Epi-on ist jetzt wirklich da.“
Im kurzen Videointerview blickten Prof. Hafezi, Chief Medical Officer des ELZA Instituts, und Nikki Hafezi, Chief Executive Officer, auf den 44. ESCRS-Kongress (11. bis 15. September 2026) zurück. Sie blickten auch nach vorn. Nach Prof. Hafezis Zählung war ELZA mit 22 Beiträgen vertreten.
Neue Publikationen zum Cross-Linking
Corneal Cross-Linking (CXL) behandelt den Keratokonus, bei dem die Hornhaut dünner wird, sich kegelförmig vorwölbt und das Sehen verschwimmt. Riboflavin-Tropfen (Vitamin B2) ziehen in die Hornhaut ein und werden anschliessend mit ultraviolettem Licht (UV-A) aktiviert. Dadurch versteift sich das Gewebe, und das Fortschreiten der Erkrankung wird gestoppt. Prof. Hafezi verwies auf eine Reihe aktueller ELZA-Publikationen.
- Das ELZA-sub400-Protokoll der zweiten Generation (American Journal of Ophthalmology) behandelt ultradünne Hornhäute mit individuell angepassten UV-Dosen von bis zu 10 J/cm². Nach 12 Monaten zeigten 22 von 29 Augen (76 %) kein Fortschreiten, und an keinem Auge kam es zu einer Endotheldekompensation. In dieser schwer betroffenen Gruppe nahm die Sehschärfe mit Brille ab. Die Veränderung war statistisch nicht signifikant, muss laut den Autoren aber in grösseren Studien bestätigt werden.
- Die Fünf-Jahres-Nachbeobachtung des ELZA-sub400-Protokolls der ersten Generation wurde von Dr. Emilio A. Torres-Netto geleitet und im Journal of Refractive Surgery (JRS) veröffentlicht. Von 39 ultradünnen Hornhäuten blieben 84,6 % stabil oder flachten ab, ebenfalls ohne Endotheldekompensation. Von diesen 39 Augen wurden 18 über die vollen fünf Jahre nachbeobachtet.
- Im Journal of Cataract and Refractive Surgery erschienen zwei Laborstudien zu ECO-CAIRS. Bei ECO-CAIRS werden Ringsegmente aus Spenderhornhaut ausserhalb des Auges mit Cross-Linking behandelt und dann implantiert, um eine Keratokonus-Hornhaut abzuflachen. An Schweinehornhäuten versteifte ultrahochfluentes Cross-Linking mit 30 oder 60 J/cm² das Gewebe stärker als 10 J/cm². Zudem veränderte es, wie die Segmente austrockneten und wieder Wasser aufnahmen, was ihre Handhabung und Implantation erleichtern könnte.
- Die Ein-Jahres-Ergebnisse des ELZA Epi-on-Protokolls, wenige Tage vor dem Kongress im JRS veröffentlicht.
Was das ELZA Epi-on-Protokoll anders macht
Beim Standard-CXL im „Epi-off“-Verfahren, dem Dresdner Protokoll, werden die zentralen 8–9 mm des Epithels entfernt. So gelangt Riboflavin ins Stroma, die dicke mittlere Schicht der Hornhaut. Das Entfernen des Epithels kann Schmerzen, eine verzögerte Heilung, Infektionen und Trübungen verursachen. Bleibt das Epithel erhalten, entfällt dies, doch frühere Epi-on-Methoden stiessen auf zwei Probleme. Zu wenig Riboflavin gelangte durch die intakte Oberfläche. Zudem erreichte zu wenig Sauerstoff das Stroma, und Sauerstoff ist für die Cross-Linking-Reaktion unerlässlich.
Andere Gruppen begegneten dem mit Iontophorese, die Riboflavin mit schwachem Strom in die Hornhaut treibt, oder mit zusätzlichem Sauerstoff. Beides erfordert mehr Geräte und macht den Eingriff aufwendiger. Das ELZA Protokoll kommt ohne beides aus. Stattdessen kombiniert es drei Elemente. Eine modifizierte Penetrationsverstärker-Lösung hilft dem Riboflavin, das Epithel zu durchdringen. UV-A-Licht, das im Sekundentakt ein- und ausgeschaltet wird, lässt Sauerstoff wieder ins Gewebe diffundieren. Schliesslich gleicht eine höhere UV-Dosis das Licht aus, das vom Epithel absorbiert wird.
„Es ist ein Epi-on ohne Iontophorese und ohne Sauerstoff“, sagte Prof. Hafezi. „Ich denke, das ist die wichtigste Botschaft unseres Instituts.“
Was die Ein-Jahres-Ergebnisse zeigten
In der Studie wurden 38 Augen von 29 Patienten am ELZA Institut behandelt. Die meisten Augen (27) erhielten 8,1 J/cm² UV-A bei 18 mW/cm², frühere Patienten 7,0 J/cm². Nach 12 Monaten war die maximale Keratometrie (Kmax, ein Mass für die Steilheit des Kegels) mit 56,12 D vorher und 56,11 D nachher unverändert. Auch die Hornhautdicke und die übrigen Formparameter veränderten sich nicht signifikant. Bei keinem Patienten traten Trübungen, Infektionen, Epitheldefekte oder andere Komplikationen auf.
Die Autoren benennen die Grenzen klar. Die Studie hatte keine Epi-off-Kontrollgruppe und war nicht randomisiert. Zudem berichtet sie über die Hornhautform, nicht über Sehschärfe oder von Patienten berichtete Ergebnisse. Längere Nachbeobachtungen und randomisierte Vergleiche mit Epi-off-CXL sind noch nötig. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass der etwa 54-minütige Eingriff grösstenteils aus dem Eintropfen besteht, was Fachpersonal übernehmen kann. Deshalb sehen sie Potenzial für Epi-on-Cross-Linking in der Praxis statt im Operationssaal.
Ein Institut, das wächst
Nikki Hafezi sprach über die Entwicklung von ELZA als Organisation. „Wir haben jetzt zwei Kliniken und möchten auch in Zentralasien wachsen“, sagte sie. Mehr als 300 Firmen stellten dieses Jahr am ESCRS aus, von den USA bis China. Sie freute sich darauf, Industriepartner, Klinikerinnen und Kliniker sowie Forschende zu treffen, um zu sehen, wie sich der Behandlungsstandard und der technologische Fortschritt in der Klinik weiter verbessern lassen.
Mehr erfahren
Das gesamte Kongressprogramm von ELZA ist in den Highlights vom ESCRS 2026 in London zusammengefasst. Hintergründe zur Behandlung finden Sie auf den ELZA-Seiten zu Epi-on- und Epi-off-Cross-Linking sowie zum Cross-Linking bei dünnen Hornhäuten. Das ELZA Epi-on-Protokoll wird Patienten am ELZA Institut angeboten. Wer wissen möchte, ob es für ihn in Frage kommt, kann einen Beratungstermin vereinbaren.
Literatur
- Hafezi F, Aydemir ME, Hillen M, et al. Epithelium-on corneal cross-linking using a modified penetration enhancer without supplemental oxygen or iontophoresis. J Refract Surg. 2026. doi:10.3928/1081597X-20260802-01
- Torres-Netto EA, Kling S, Akcan RE, et al. Five-year follow-up of the ELZA-sub400 protocol. J Refract Surg. 2026. doi:10.3928/1081597X-20260728-01
- Aydemir ME, Kollros L, Hillen M, et al. Biomechanical stiffening effect in ultra-high-fluence extracorporeal cross-linked corneal allogenic intrastromal ring segments. J Cataract Refract Surg. 2026. doi:10.1097/j.jcrs.0000000000001981
- Kollros L, Aydemir ME, Boote C, et al. Dehydration and rehydration behavior of ultra-high-fluence extracorporeal cross-linked corneal allogenic intrastromal ring segments (ECO-CAIRS). J Cataract Refract Surg. 2026. doi:10.1097/j.jcrs.0000000000002015
- Hafezi F, Akcan RE, Kling S, et al. Second-generation ELZA-sub400 protocol: individualized high-fluence cross-linking for ultra-thin keratoconus corneas. Am J Ophthalmol. 2026;290:318-328. doi:10.1016/j.ajo.2026.06.034