Zwei Fragen prägen die Hornhautmedizin seit einem Jahrzehnt. Wann soll ein Keratokonus behandelt werden, und wie erkennt man die gefährdeten Hornhäute, bevor Sehkraft verloren geht? Beide standen auf dem Podium des 119. Jahreskongresses der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft. Der Kongress fand vom 26. bis 28. August 2026 im SwissTech Convention Center auf dem EPFL-Campus in Lausanne statt. ELZA am SOG 2026 bedeutete zwei Beiträge zu diesem Programm, von Prof. Farhad Hafezi, MD, PhD, FARVO, Medical Director des ELZA Instituts, und Dr. Emilio A. Torres-Netto, MD, PhD, FEBO, FWCRS.

Keratokonus neu definiert, der zweite globale Konsens

Am Donnerstagnachmittag fand im Auditorium C ein Plenarsymposium unter dem Dach der European Society of Cataract and Refractive Surgeons statt, gewidmet der Neufassung des globalen Konsenses zum Keratokonus. Prof. Hafezi leitete die Sitzung gemeinsam mit Frank Blaser aus Zürich. Er eröffnete sie zudem mit dem Einführungsvortrag zum zweiten globalen Konsens und zum Cross-Linking bei Progression.

Das erste globale Konsenspapier gab dem Fachgebiet eine gemeinsame Sprache für den Keratokonus – eine Erkrankung, bei der die Hornhaut, das klare Fenster an der Vorderseite des Auges, fortschreitend dünner wird und sich kegelförmig vorwölbt, was das Sehen verzerrt. Das war wichtig, denn Definitionen haben Folgen. Was als Progression gilt, entscheidet darüber, wer wann und auf welcher Evidenzgrundlage behandelt wird.

Ein Jahrzehnt später hat sich der Boden verschoben. Das Corneal Cross-Linking (CXL) versteift die Hornhaut mit Riboflavin-Tropfen und ultraviolettem Licht. Es ist heute der Standard, um das Fortschreiten zu stoppen, und seine Reichweite erstreckt sich inzwischen auf Kinder, auf dünne Hornhäute und auf Augen, die früher als nicht behandelbar galten. Die Neufassung muss deshalb einem Fachgebiet gerecht werden, in dem die Stabilisierung Routine ist und die schwierigeren Fragen den Zeitpunkt und die Rehabilitation betreffen. Der weitere Verlauf der Sitzung folgte dieser Logik. Namrata Sharma aus Neu-Delhi sprach über Keratoplastik-Verfahren und Mohamed Shafik Shaheen aus Alexandria über elektive refraktive Chirurgie bei diesen Patienten.

Hornhaut-Biomechanik als translationales Werkzeug

Am folgenden Morgen sprach Dr. Torres-Netto im ARVO-SWISS Symposium 2026 über neue diagnostische Verfahren in der Ophthalmologie. Carlo Rivolta aus Basel und Hoai Viet Tran aus Lausanne leiteten die Sitzung. Sein Vortrag trug den Titel Corneal Biomechanics as a Translational Tool for Clinical Decision-Making.

Der Unterschied, um den es dabei geht, ist einfach. Die Hornhauttopografie misst die Form, und die Form ist das, was Ärztinnen und Ärzte traditionell zur Diagnose des Keratokonus heranziehen. Die Biomechanik misst etwas anderes, nämlich wie sich das Gewebe unter Belastung tatsächlich verformt. Eine Hornhaut kann geschwächt sein, bevor sie sichtbar ihre Form verändert. Die biomechanische Messung eröffnet deshalb die Aussicht, die Erkrankung früher zu erfassen und sicherer zu entscheiden, welche Augen behandelt werden müssen und welche beobachtet werden können.

Dieses Thema zog sich durch das ganze Symposium. Neben Dr. Torres-Netto stellte Ismail Moghul aus London Eye2Gene vor, ein KI-Werkzeug für erbliche Netzhauterkrankungen. Timothé Laforest aus Genf sprach anschliessend über adaptive Optik für die Netzhautbildgebung auf Zellebene. In jedem Fall lautete das Argument gleich: früher messen, präziser messen, und die klinische Entscheidung wird einfacher.

ELZA am SOG 2026 und der Kongress darum herum

Der SOG-Kongress ist der jährliche Fixpunkt der Schweizer Augenheilkunde, und sein wissenschaftliches Programm wird von der Wissenschaftlichen Kommission der Gesellschaft unter Prof. Sandrine Zweifel zusammengestellt. Die diesjährige Ausgabe trug zudem die Goldmann Lecture, gehalten von Prof. Kyoko Ohno-Matsui aus Tokio zur pathologischen Myopie. Darüber hinaus gab es ein erstes Plenarsymposium zu Frauen in der Ophthalmologie sowie ein gemeinsames Symposium mit der Ophthalmologischen Gesellschaft Taiwans. Alle Einzelheiten finden sich auf der Kongresswebseite.

Zusammen betrachtet weisen die beiden Beiträge von ELZA am SOG 2026 in dieselbe Richtung. Der eine fragt, wie das Fachgebiet den Keratokonus definieren und einteilen soll; der andere fragt, wie es die Hornhaut überhaupt messen soll. Prof. Hafezi war zentral an der klinischen Entwicklung des Cross-Linking beteiligt, und Expertscape stufte ihn 2024 als weltweit führende Autorität auf diesem Gebiet ein. Die Forschung von Dr. Torres-Netto wiederum liegt an der Schnittstelle von Hornhaut-Biomechanik, Cross-Linking und refraktiver Chirurgie. Gemeinsam beschreiben die beiden Vorträge ein Fachgebiet, das sich von der blossen Stabilisierung hin zu einer Messgenauigkeit bewegt, die den richtigen Behandlungszeitpunkt erkennen lässt.

ELZA behandelt den Keratokonus an seinen Standorten in Dietikon und am Zürcher Hauptbahnhof, unter anderem mit dem massgeschneiderten Cross-Linking ELZA-PACE und mit ELZA-sub400 für sehr dünne Hornhäute.

Prof. Farhad Hafezi auf der Bühne bei seinem Vortrag zum zweiten globalen Konsens zum Keratokonus