Ein Jahrzehnt später: Keratokonus hat einen neuen Konsens
Zehn Jahre nach dem ersten globalen Versuch, das Feld zu definieren, markiert die Veröffentlichung des Globaler Konsens zu Keratokonus und ektatischen Erkrankungen – Ausgabe 2 in der Fachzeitschrift Cornea eine klare Veränderung in der Art und Weise, wie Keratokonus verstanden und behandelt wird. Dies ist keine kosmetische Terminologieänderung. Es ist eine umfassendere Neubewertung von Diagnose, Fortschreiten und Behandlung in einem Bereich, der sich im letzten Jahrzehnt erheblich weiterentwickelt hat. Das neue Dokument vereint ein breiteres internationales Gremium und eine breitere klinische Perspektive, einschliesslich Hornhaut- und refraktiver Chirurgen aus 12 Gesellschaften auf sechs Kontinenten. Nicht zuletzt waren zwei Mitglieder des ELZA-Teams – Prof. Dr. Farhad Hafezi und Dr. Mark Hillen – Co-Autoren.
Es entsteht ein moderneres Bild des Keratokonus. Die Krankheit wird nicht mehr nur durch Veränderungen der vorderen Krümmung oder isolierte topografische Befunde dargestellt. Stattdessen spiegelt der neue Konsens die Realität der aktuellen Praxis wider: Kliniker verlassen sich zunehmend auf eine multimodale Beurteilung und integrieren Tomografie, epitheliale Dickenmessung und – wo verfügbar – biomechanische Beurteilungen, um Erkrankung und Risiko genauer zu charakterisieren. Das beigefügte Manuskript macht diesen Wandel deutlich und beschreibt einen diagnostischen Rahmen, der über die reine Oberflächenform hinausgeht und zu einem umfassenderen Verständnis der Ektasieanfälligkeit und -manifestation führt.
Für Patienten ist dies wichtig, da eine frühere und genauere Erkennung verändert, was möglich ist. Bei ELZA liegt dieselbe Logik unserer Arbeit zugrunde – sowohl in unserer Keratokonus-Forschung als auch in unserem klinischen Ansatz zum Crosslinking. Je früher eine gefährdete Hornhaut identifiziert werden kann, desto grösser ist die Chance, sie zu stabilisieren, bevor sich die Sehkraft weiter verschlechtert.
Der Zweite Globale Konsens: Von einzelnen Parametern zum klinischen Urteilsvermögen
Eines der wichtigsten Themen im neuen Konsens ist die Abkehr von der übermässigen Abhängigkeit von einzelnen Indizes. Insbesondere vertritt die Kommission einen vorsichtigeren Standpunkt zu Kmax. Obwohl Kmax weiterhin weit verbreitet ist, erkennt das Dokument seine begrenzte Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit an, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung. An seine Stelle tritt im Konsens eine breitere, stärker am Schweregrad orientierte Interpretation der Veränderung über die Zeit, die regionale Krümmung, Veränderungen der hinteren Hornhaut, pachymetrische Progression und Sehfunktion einbezieht. Das ist ein anspruchsvollerer Ansatz, aber auch ein klinisch ehrlicherer.
Der begleitende Leitartikel verfolgt den gleichen Ton. Er präsentiert den neuen Konsens nicht als Doktrin. Vielmehr präsentiert er ihn als sorgfältig ausgearbeitete Aussage darüber, worauf man sich derzeit einigen kann, während er anerkennt, wo die Beweise noch unvollständig sind. Dieser Unterschied ist wichtig. Konsens ist keine Gewissheit. Er ist eine disziplinierte Art, den aktuellen Stand des Fachgebiets zu definieren.
Das Crosslinking bleibt zentral, aber die Behandlung ist nicht mehr für alle gleich
Der neue (zweite) Globale Konsens bekräftigt, dass das Crosslinking bei Keratokonus der Grundpfeiler der Krankheitsstabilisierung ist. Gleichzeitig spiegelt er die Realität wider, dass Behandlungsentscheidungen individueller geworden sind. Alter, Hornhautdicke, Fortschrittsmuster und klinischer Kontext prägen das Management. Bei jüngeren Patienten, insbesondere solchen mit einem höheren Risiko für eine rasche Progression, unterstützt das Dokument die Ansicht, dass eine Wartezeit mit längerer Beobachtung nicht immer angemessen sein mag.
Diese Weiterentwicklung des Denkens schafft auch Raum für neuere Ansätze, die nicht nur auf die Stabilisierung der Hornhaut abzielen, sondern auch deren Regelmässigkeit verbessern. Ein Beispiel dafür ist bei ELZA das massgeschneiderte ELZA-PACE-Crosslinking,das den breiteren Trend hin zu individuelleren Hornhautbehandlungen widerspiegelt. Der Konsens selbst vermeidet es, zu übertreiben, was neuere Strategien bereits leisten können. Aber seine allgemeine Richtung ist unverkennbar: Das Management des Keratokonus wird personalisierter, bildgestützter und strukturell fundierter.
Jenseits der Stabilisierung
Das Feld hat sich auch über die Vorstellung hinaus entwickelt, dass die Verhinderung des Fortschreitens der einzige sinnvolle Endpunkt ist. Der neue Konsens integriert die visuelle Rehabilitation in denselben übergeordneten Managementrahmen und vereint Kontaktlinsen, hornhautformende Verfahren, intrastromale Implantate, Keratoplastik, refraktive Chirurgie und Kataraktplanung zu einem kohärenteren Ganzen. Diese Breite ist eine der Stärken des Dokuments. Keratokonus wird nicht mehr als eng umgrenztes Hornhautproblem behandelt, sondern über den gesamten Bereich des visuellen Lebens eines Patienten hinweg gemanagt.
Hier wirkt das Dokument auch am zeitgemässesten. Es spiegelt ein Feld wider, das sich von der Krankheitsidentifikation zur Risikostratifizierung, vom Stoppen der Progression zur Planung der visuellen Rehabilitation und von isolierten Verfahrensentscheidungen zur langfristigen Entscheidungsfindung entwickelt hat.
Ein breiterer zweiter globaler Konsens, nicht das letzte Wort
Was dem zweiten globalen Konsens besonderes Gewicht verleiht, ist nicht nur sein Inhalt, sondern auch sein Umfang. Laut dem Manuskript nahmen 128 Experten an dem Prozess teil, wobei 12 internationale Fachgesellschaften und sechs Kontinente vertreten waren. Diese Breite schliesst Meinungsverschiedenheiten nicht aus, stärkt das Dokument aber als globalen klinischen Referenzpunkt und nicht als lokale oder subspezialisierte Aussage.
Wie alle Delphi-basierten Arbeiten bleibt es jedoch eine Momentaufnahme. Die Redaktion betont zu Recht, dass sein Wert nicht darin liegt, Beständigkeit zu beanspruchen, sondern darin, zu definieren, was ausreichend gestützt ist, um die heutige Praxis zu leiten. Das ist es, was den Konsens von 2026 wichtig macht. Er beendet die Debatte über Keratokonus nicht. Er hebt das Niveau an, auf dem die Debatte nun stattfindet.
Zitat:
Gomes JAP, Hafezi F, Ambrósio R, et al. Globaler Konsens zu Keratokonus und ektatischen Erkrankungen – Ausgabe 2. Cornea. Online veröffentlicht am 21. Mai 2026. doi:10.1097/ICO.0000000000004170